Grünthal - eine alte Bauernansiedlung
Grünthal liegt 49° 03´15´´ nördlicher Breite und 12° 09´42´´ östlicher Länge am
Südrand des Oberpfälzer Schollenbruchlandes, nur 2000 m von der Erdspalte
entfernt, an der sich der jüngere Jurakalk über den alten Granitsockel des
Bayerischen Waldes schiebt. Aus der Sicht der näheren Umgebung liegen die
wenigen Häuser inmitten eines seichten Hochtales auf etwa 400 Meter Höhe. Im
Süden fallen die Felsen des Keilsteins und des Fellingerberges steil in das
Donautal hinab und im Norden begrenzt der Wenzenbach den Landstrich.
Früh schon durchstreiften Menschen diesen vermutlich licht mit Eichenbeständen
bewachsenen Forst. Am Schwarzholz und am Jägerberg wurden steinzeitliche
Gegenstände gefunden. In unmittelbarer südlich angrenzender Nähe, in Roith, ist
eine frühe dauerhafte Siedlung nachgewiesen. Die mittelalterliche Landnahme
folgte dem Wenzenbach von Westen nach Osten. Erste schriftliche Erwähnung findet
Grünthal in der Regestensammlung vom regensburger Mittelmünster, dem späteren
St. Paul, das 983 von Bischof Wolfgang gegründet wurde. Grünthal ist auch einer
jener Orte, die Nutzungsrechte an der im Jahre 914 erfolgten königlichen
Forstschenkung besaßen. Grünthaler durften jeweils am Freitag Holz gegen
Zinszahlung entnehmen.
Die Herrschaft Schönberg, das heutige Wenzenbach, übte die Gerichtsbarkeit aus,
zunächst im regensburg-bischöflichen und später im wittelsbach-herzoglichen
Namen. Die Richtsäule in Wenzenbach an der Pestalozzistraße kündet noch von
dieser Macht. Den Steuereinzug teilten sich ebenfalls weltliche und geistliche
Mächte. 1469 wurde Grünthal mitsamt Wutzlhofen von den Albergern, den Herren von
Sallern gekauft. 1487 weist das Salbuch des Amtes Zeitlarn Grünthal als zur
Kurpfalz gehörig aus. Etwa 22 Höfe bildeten die Dorfgemeinschaft.
Die politische Entwicklung Grünthals begann mit dem Gemeindeedikt von 1818. Es
bestimmte, dass Patrimonalgerichte (Schönberg und Hauzenstein) und bäuerliche
Wirtschaftsgemeinden über 20 Familien eigene politische Gemeinden zu bilden
hatten. Der Bauer Jakob Glatzl vom Hölzlhof wurde der erste Bürgermeister der 33
Familien mit insgesamt 29 Häusern. Mit der Gebietsreform von 1924 war Grünthal
die flächenmäßig größte Gemeinde der Umgebung. 1978 wurde Grünthal der Gemeinde
Wenzenbach zugeordnet und wird seither von dort politisch verwaltet.
Grünthal führte zwar ein bäuerlich-abgeschiedenes Dasein, dürfte aber
aufgrund seiner Höhen- und Randlage zu Regensburg nicht unberührt geblieben
sein, wenn die großen geschichtlichen Ereignisse über das Land hinweg rollten.
1158 zogen Böhmen über Regensburg nach Italien. 1504 zog König Maximilian I. mit
einem Heer von 5200 Mann zum Hafenreuther Feld, um den bayerischen Erbfolgekrieg
zu entscheiden. Alle Heere benötigten Unmengen von Nahrung. Für Maximilians Heer
hat sich für den September 1504 eine Abrechnung erhalten. Danach war der
tägliche Bedarf 7 t Wein, 2 t Fleisch, 15 t Gerste bzw. 20 t Hafer. Zwar wurden
Versorgungsgüter zugekauft, aber insgesamt kann man sagen: Der Krieg lebte aus
dem Land, das er überzog. 1618, 1632, 1641-43 wurde während des 30-jährigen
Krieges das Land geplündert. 1701-1714 folgte der spanische Erbfolgekrieg. 1742
und 1744 plünderten Husaren das Land während des österreichischen
Erbfolgekriegs. 1809 vollendete Napoleon den Niedergang. Auch der 1. Weltkrieg
von 1914 bis 1918 und der 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945 forderten ihre Opfer.
Am 23. April 1945 zogen die Amerikaner von Irlbach kommend die Straße herauf und
nahmen im Meierhof (heute Winter) ihren Gefechtsstand. In der Ölbergstrasse
standen Panzer an Panzer.
Grünthal ist noch immer eine ländliche Siedlung, die in letzter Zeit durch
Ansiedlung von neuen Bürgern immer mehr zur stadtnahen Wohnsiedlung wird. Heute
wohnen hier 1215 Bürger.
Dank an Rolf Lax für die Nachforschungen